Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe 2 (Juli 2026) unseres Magazins erschienen.
von Kathleen Rodriguez
Fotos: Melanie Arenz
Kann ein Smartphone ein künstlerisches Werkzeug sein?
Mit dieser Frage habe ich lange gehadert.
Nicht, weil ich nicht gern mit dem Smartphone fotografiere. Im Gegenteil. Ich habe es immer getan.
Neben der Kamera. Neben allem, was in der Fotografie als richtig gilt. Das Smartphone dagegen steckt einfach in der Hosentasche. Es ist immer da. In genau den Momenten, die oft genauso schnell wieder verschwinden, wie sie auftauchen.
Trotzdem war da lange diese Unsicherheit: Zählt das überhaupt?
In der Fotografie wird das Smartphone oft belächelt. Zu einfach. Zu bequem. Nicht professionell genug. Als wäre ein Bild weniger wert, nur weil es mit einem kleinen Gerät entstanden ist.
Dabei habe ich mit dem Smartphone Bilder gemacht, die ich mit keiner anderen Kamera gemacht hätte. Nicht wegen der Technik. Sondern weil ich genau in diesem Moment hinschauen konnte.
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Frage.
Entsteht ein Bild durch die Kamera oder durch den Blick?
Für mich beginnt Kunst nicht beim Werkzeug. Sie beginnt dort, wo jemand etwas sieht. Wo jemand innehält. Wo aus einem gewöhnlichen Moment etwas Bedeutungsvolles wird.
Das Smartphone kann vieles sein. Ablenkung. Dauerbeschallung. Ein Gerät, das uns oft von uns selbst wegführt.
Aber beim Fotografieren erlebe ich etwas anderes. Ich werde aufmerksamer. Lang-samer. Ich sehe Licht, Stimmungen und kleine Details, die sonst an mir vorbei-gehen würden. Für einen Moment konsumiere ich nicht. Ich beobachte.
Vielleicht liegt genau darin die Überraschung: Dass ausgerechnet das Gerät, das uns so oft nach außen zieht, uns auch wieder nach innen richten kann.
Diese Gedanken haben für mich eine neue Tiefe bekommen, als ich die Fotografin und Künstlerin Melanie Arenz und ihre Ausstellung „Mishmash“ in Passau kennengelernt habe.
Plötzlich hatte das, was ich längst tat, einen Namen: Smartografie.
Nicht als Beschreibung eines Geräts, sondern als Beschreibung einer Haltung.
Seitdem beschäftigt mich die Frage noch mehr: was macht ein Bild eigentlich zur Kunst? Und beginnt Kunst vielleicht schon lange bevor wir auf den Auslöser drücken?
Genau darüber möchte ich mit Melanie ins Gespräch kommen.
Interview mit Melanie Arenz
Kathleen: Melanie, wie hat deine Reise zur Smartografie eigentlich begonnen?
Melanie: Eigentlich schon als Kind. Ich habe mit allem fotografiert, was ich in die Finger bekommen habe. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir meine senfgelbe Kodak Kamera und die Spiegelreflexkamera meiner Mutter. Später habe ich in der Schule einen Fotokurs besucht und dort gelernt, dass man mit den unterschiedlichsten Geräten Bilder entstehen lassen kann. Noch wichtiger als die Technik war für mich aber immer der Blick. Ich wollte Momente festhalten, die mich berühren. Heute fotografiere ich hauptsächlich mit dem Smartphone. Nicht aus Prinzip, sondern weil es einfach immer dabei ist. So kann ich flüchtige Augenblicke sofort einfangen. Oft entdecke ich beim späteren Betrachten Details, die mir im ersten Moment gar nicht aufgefallen sind.
Wann bist du dem Begriff Smartografie begegnet?
Ich war auf der Suche nach einem passenderen Begriff als Handy Fotografie und bin zufällig auf Smartografie gestoßen. Ich konnte mich sofort damit identifizieren. Es beschreibt viel besser, wie ich arbeite und wie ich Fotografie verstehe.
Was bedeutet Smartografie für dich?
Smartografie ist für mich die Bezeichnung meiner Arbeits-weise. Der Begriff beschreibt den Weg vom spontanen Moment bis zum fertigen Bild.
Was hat dich zu deiner Ausstellung Mishmash inspiriert?
Ausstellungen geben mir die Möglichkeit, meinen Blick auf die Welt mit anderen zu teilen. Viele Bilder würden ohne diesen Anlass wahrscheinlich nie als fertige Werke entstehen. Außerdem liebe ich Räume, in denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Kunst erleben. Und wenn eines meiner Bilder schließlich ein neues Zuhause findet und jemanden jeden Tag erfreut, ist das ein besonders schönes Gefühl.
Kann das Smartphone für dich ein künstlerisches Werkzeug sein? Warum?
Für mich absolut. Am Ende zählen der Blick, das Gefühl und das Bild, das daraus entsteht.
Die Arbeit an diesem Artikel hat mir gezeigt, dass ich mein Smartphone nicht mehr rechtfertigen muss. Für mich zählt nicht das Werkzeug, sondern der Moment. Das Smartphone gibt mir die Möglichkeit, genau festzuhalten, was mich berührt.
Wie siehst du das? Schreibt mir gerne. Ich freue mich auf den Austausch. kathleen.rodriguez@augenblick-fotomagazin.de
Melanie Arenz
Lebt und arbeitet in Passau.
Sie ist gelernte Veranstaltungskauffrau und seither in den Bereichen Gastronomie, Event- und Kreativkultur tätig. Viele Jahre hat sie in Passau ein Wirtshaus betrieben und hat auch dort Konzerte und Kunstaus-stellungen ausgerichtet.
Zum Fotografieren nutzt sie vorwiegend das Smartphone. Unter dem Begriff Smartografie entwickelt sie aus spontanen Aufnahmen Bildkompositionen. Dabei löst sie zum Teil einzelne Elemente aus dem Gesamtbild und arbeitet sie weiter aus.
Ihre Fotografien entstehen mit Blick auf den späteren Druck. Sie setzt dabei auf reduzierte Bearbeitung und arbeitet mit verschiedenen FineArt-Papieren.
Die nächste Ausstellung ist im Rahmen der Passauer Kunstnacht am 18. Juli im KaffeeWerk Passau zu sehen. Die Bilder können dort bis August besichtigt werden.
Kontakt für Anfragen, weitere Infos und Ausstellungstermine
Kathleen Rodriguez
Gestalterin für visuelles Marketing.
Fotografin. Kreativer Kopf. Liebt Musik,
Reisen, und gutes Essen. Schätzt inspirierende Gespräche und echte Begegnungen.
Schafft Verbindungen und macht ihre besonderen Momente sichtbar.
Sie ist Mitglied im Fotoclub Regenstauf und Mitherausgeberin des AUGENBLICK-
Fotomagazins.
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