Smartografie - Fotografieren mit dem Handy
Von Kathleen Rodriguez
Kann ein Smartphone ein künstlerisches Werkzeug sein?
Mit dieser Frage habe ich lange gehadert.
Nicht, weil ich nicht gern mit dem Smartphone fotografiere. Im Gegenteil. Ich habe es immer getan.
Neben der Kamera. Neben allem, was in der Fotografie als richtig gilt. Das Smartphone dagegen steckt einfach in der Hosentasche. Es ist immer da. In genau den Momenten, die oft genauso schnell wieder verschwinden, wie sie auftauchen.
Trotzdem war da lange diese Unsicherheit: Zählt das überhaupt?
In der Fotografie wird das Smartphone oft belächelt. Zu einfach. Zu bequem. Nicht professionell genug. Als wäre ein Bild weniger wert, nur weil es mit einem kleinen Gerät entstanden ist.
Dabei habe ich mit dem Smartphone Bilder gemacht, die ich mit keiner anderen Kamera gemacht hätte. Nicht wegen der Technik. Sondern weil ich genau in diesem Moment hinschauen konnte.
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Frage.
Entsteht ein Bild durch die Kamera oder durch den Blick?
Für mich beginnt Kunst nicht beim Werkzeug. Sie beginnt dort, wo jemand etwas sieht. Wo jemand innehält. Wo aus einem gewöhnlichen Moment etwas Bedeutungsvolles wird.
70 Jahre Photogilde Aventin Abensberg
Von Christian Greller
1956 war ein Jahr voller Umbrüche. In Ungarn rebellierte das Volk gegen das kommunistische Regime, ein gewisser Elvis Presley brachte mit seinem Hüftschwung das prüde Amerika gegen sich auf und in der noch jungen Bundesrepublik befand man sich mitten im Wirtschaftswunder.
Während die Welt sich wandelte trafen sich am 22. März 1956 im Gasthaus Ottenbräu in Abensberg 17 Amateur-fotografen, vereint durch ihre Begeisterung für das Bild. Was damals begann, war weit mehr als die Gründung eines klassischen Vereins. Es war der Start einer kreativen Gemeinschaft, die das kulturelle Leben in Abensberg über Jahrzehnte hinweg prägen sollte: die Photogilde Aventin.
Herbstzeit ist Ausstellungszeit
Von Christian Greller
Wenn es draußen kühler wird und die Tage kürzer werden, zieht es uns wieder vermehrt zu kulturellen Highlights nach drinnen. Eine perfekte Gelegenheit für verregnete Nachmittage: Die kommenden Fotoausstellungen unserer regionalen Fotoclubs. Von großen Vereinsjubiläen über Astrofotografie bis hin zu modernen Werkschauen erwartet uns in den nächsten Monaten eine beeindruckende visuelle Vielfalt.
Hier kommen die wichtigsten Termine für euren Kalender …
Perspektiven: Ausstellung der Foto-Desperados
Von Heinz Hornik
RODING. Mit der Premieren-Ausstellung „PERSPEKTIVEN“ präsentiert die Fotogruppe Foto-Desperados erstmals eine umfassende Werkschau im Rathaus Roding. Die feierliche Vernissage findet am Samstag, den 12. September 2026, ab 14:00 Uhr statt. Alle Kunst- und Fotografiebegeisterten sowie die Bevölkerung der Region sind herzlich dazu eingeladen. Zur Eröffnung erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Sektempfang. Der Eintritt ist frei.
Gezeigt wird eine vielfältige Auswahl ausdrucksstarker Motive und unterschiedlicher fotografischer Blickwinkel. Die gezeigten Arbeiten spannen einen weiten Bogen über verschiedene Genres der Fotokunst und laden dazu ein, Bekanntes und Neues aus ungewöhnlichen Perspektiven zu entdecken.
Die Ausstellung ist im Anschluss an die Vernissage bis zum 3. Oktober 2026 während der regulären Öffnungszeiten des Rathauses Roding (Schulstraße 15, 93426 Roding) für Öffentlichkeit und Besucher zugänglich.
Oberpfalz Querfeldein
Von Harald Portele
Über Jahrzehnte hinweg trugen Teile der nördlichen Oberpfalz Namen, die heute fast wie Echos aus einer anderen Zeit klingen. „Erdäpfelpfalz“ – ein Begriff, geboren aus den endlosen Kartoffelfeldern zwischen Regensburg und Tirschenreuth. Oder „Stoapfalz“, ursprünglich eng verbunden mit dem Steinwald, später zur Beschreibung eines Bodens geworden, der steinig und karg war. Solche Worte entstanden aus einem unmittelbaren Verhältnis zur Landschaft, aus Nähe, Vertrautheit und täglicher Erfahrung. Heute verlieren diese Begriffe an Boden. Die jüngere Bevölkerung kennt sie kaum noch, und mit den Namen schwindet auch etwas von dem, was sie einst bezeichneten: eine Landschaft mit Charakter, mit Ecken und Kanten, mit einem Klang, der nur hier zu Hause war.
Dialektwörter verschwinden, regionale Eigenheiten glätten sich, und die Oberpfalz wirkt vielerorts wie ein Landstrich, der leise dabei ist, sich selbst auszuradieren. Die Globalisierung hat auch die kleineren Gemeinden erreicht. Deining, Eschenbach, Konnersreuth – sie alle gleichen immer mehr Orten überall im Land. Wirtshäuser stehen leer, Bushäuschen verlieren ihre Funktion. Wo früher Menschen zusammensaßen, begegnet man sich heute im digitalen Raum, anonymisiert und in der Sprache von Social Media.
John Cavanaugh : Cosplayfotograf
Von Sandra Stepan
John ist Amerikaner, liebt italienisches Essen, lebt in Bayern, und ist trotzdem glühender Fan von Borussia Dortmund. Das wäre die denkbar kürzeste Version seiner Biografie, würde ihm aber natürlich nicht gerecht.
Geboren in Waltham, einem Vorort von Boston, bringt John irische und britische Wurzeln mit. Gemeinsam mit seiner Frau Conny hat er zwei Söhne, inzwischen sogar einen Enkel, auf den er besonders stolz ist. Seine Pension genießt er am liebsten bei langen Waldspaziergängen, auf dem Fahrrad oder mit einem guten Buch.
Deutschland kennt John schon seit seiner Zeit bei der USArmy, in der er mehrfach hier stationiert war. 1998 entschied er sich endgültig für die bayerische Oberpfalz als neue Heimat. Bereits während seines Militärdienstes arbeitete er als Combat-Fotograf und Fotolaborant. Die Kamera war also von Anfang an sein ständiger Begleiter. Heute jedoch hat er sich ganz anderen fotografischen Feldern zugewandt.