Oberpfalz Querfeldein

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe 1 (April 2026) unseres Magazins erschienen

Von Harald Portele

Über Jahrzehnte hinweg trugen Teile der nördlichen Oberpfalz Namen, die heute fast wie Echos aus einer anderen Zeit klingen. „Erdäpfelpfalz“ – ein Begriff, geboren aus den endlosen Kartoffelfeldern zwischen Regensburg und Tirschenreuth. Oder „Stoapfalz“, ursprünglich eng verbunden mit dem Steinwald, später zur Beschreibung eines Bodens geworden, der steinig und karg war. Solche Worte entstanden aus einem unmittelbaren Verhältnis zur Landschaft, aus Nähe, Vertrautheit und täglicher Erfahrung. Heute verlieren diese Begriffe an Boden. Die jüngere Bevölkerung kennt sie kaum noch, und mit den Namen schwindet auch etwas von dem, was sie einst bezeichneten: eine Landschaft mit Charakter, mit Ecken und Kanten, mit einem Klang, der nur hier zu Hause war.

Dialektwörter verschwinden, regionale Eigenheiten glätten sich, und die Oberpfalz wirkt vielerorts wie ein Landstrich, der leise dabei ist, sich selbst auszuradieren. Die Globalisierung hat auch die kleineren Gemeinden erreicht. Deining, Eschenbach, Konnersreuth – sie alle gleichen immer mehr Orten überall im Land. Wirtshäuser stehen leer, Bushäuschen verlieren ihre Funktion. Wo früher Menschen zusammensaßen, begegnet man sich heute im digitalen Raum, anonymisiert und in der Sprache von Social Media. Die persönlichen und regionalen Nuancen geraten ins Hintertreffen. Es ist ein Wandel, der selten laut geschieht. Er schleicht sich ein, bis man plötzlich merkt: Etwas fehlt. Etwas, das man nicht benennen kann, weil die Worte dafür langsam verschwinden.

Christian Greller hat sich, gelegentlich begleitet von Harald Portele, auf die Reise gemacht, um Motive mit seiner Kamera festzuhalten, die im Alltag leicht übersehen werden - leise Abschiede einer sich verändernden Landschaft. Er richtet den Blick auf Orte, die einst unverwechselbar waren und heute ihre Eigenheiten bereits verloren haben oder dabei sind, einen Teil ihrer Seele demnächst zu verlieren.

Wie zahlreiche andere Landstriche unserer Republik erfindet sich auch die Oberpfalz neu, während das Traditionelle kaum merklich verblasst. Eine Region zwischen Erinnerung und Realität, eine Einladung, bewusster hinzuschauen, solange noch etwas da ist, das sich bewahren, zumindest im Foto festhalten lässt. (hp)

www.christian-greller-fotografie.de | www.instagram.com/oberpfalzquerfeldein/


Alle Fotos in diesem Beitrag © Christian Greller

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